"Vom Ende der Einsamkeit" von Benedict Wells

 

„Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird“. (S. 135)
 
Jules erzählt rückblickend die Geschichte seiner Familie, genauer gesagt seine Geschichte und die seiner älteren Geschwister Marty und Liz. Der frühe Verlust der Eltern und das damit verbundene Ende einer behüteten Kindheit führen dazu, dass die drei Geschwister sich zunächst verlieren. Sie verbringen ihre Kindheit und Jugend auf dem gleichen Internat und sind doch nicht zusammen. Sie werden sich fremd und jeder von ihnen versucht, den Verlust und die Einsamkeit auf seine eigene Art zu bewältigen. Der einst übermütige und selbstbewusste Jules zieht sich in seine eigene Traumwelt zurück und findet nur noch schwer Kontakt zu anderen. Allein seine geheimnisvolle Mitschülerin Alva kommt ihm näher, und die beiden verbindet eine innige Freundschaft.
 
Jules lässt sich nach dem Ende der Schulzeit treiben und versucht, seine Berufung und seinen Weg zu finden. Nach vielen Jahren begegnet er Alva wieder, die er aus den Augen verloren hatte. Sie ist die Liebe seines Lebens. Alva und auch eine wieder gewonnene Nähe zu seinen Geschwistern geben ihm das Gefühl, dass ein Familienleben im besten Sinne möglich ist. Doch das Leben folgt seinen eigenen Regeln, und so muss sich Jules erneut mit seinen Ängsten und Verlusten auseinandersetzen.
 
Einfühlsam lässt Benedict Wells seine Leser an der „Welt des Erwachsenwerdens“ unter erschwerten Bedingungen teilhaben. Für Jules stellen sich immer wieder Fragen wie:
 
Was macht mich aus? Wie viel Einfluss habe ich auf mein eigenes Dasein? Kann ich der Mensch werden, der ich einst zu werden glaubte? Bin ich selber der “Architekt meiner Existenz“?
 
Es ist ein kluges, berührendes Buch, das sowohl die alltäglichen Dinge als auch die existentiellen Fragen des Lebens zum Thema hat. Tiefgründig, in einer klaren und doch poetischen Sprache, erzählt Benedict Wells eine Familiengeschichte mit all seinen Höhen und Tiefen, die den Leser ganz nah an den Abgrund führt und wieder zurück.
 
Melancholisch aber nicht traurig, berührt und erfüllt von dieser wunderschönen Geschichte und seinen Helden bleibt der Leser zurück und bedauert, dass das Buch schon zu Ende ist.
 
Zenita Ahrens

 

Zum Buch:

"Vom Ende der Einsamkeit"

Von Benedict Wells

Hardcover Leinen
368 Seiten
erschienen am 24. Februar 2016 im Diogenes Verlag

978-3-257-06958-7
€ (D) 22.00 / sFr 30.00* / € (A) 22.70
* unverb. Preisempfehlung

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