Kennen Sie eigentlich Dr. Siri?

Durch Zufall bin ich auf Dr. Siri gestossen. "Kennen Sie dieses Buch?", fragte mich eine mir gänzlich unbekannt Frau in der Stadtbücherei Buxtehude. Gemeint war der erste Teil des laotischen Ermittlers Dr. Siri Paiboun. Aus Höflichkeit und wenig überzeugt nach Lesen des Klappentextes nahm ich den Krimi mit nach Hause. Nun ist bereits der neunte Band "Dr. Siri und die Geisterfrau" erschienen und ich habe sie alle gelesen. Noch heute bin ich der Frau dankbar, dass sie mich auf diesen sehr ungewöhnlichen Kriminalroman aufmerksam gemacht hat.

 

In allen Bänden geht es um Laos einzigen Pathologen, Dr. Siri Paiboun, der eigentlich ausgebildeter Arzt ist. In Ermangelung einer besseren Besetzung wird er dennoch von der kommunistischen Regierung 1976 zum amtlichen Leichenbeschauer gemacht. In allen neun Bänden kämpft er darum, endlich pensioniert zu werden. Immerhin ist er im ersten Band bereits 72 Jahre alt! Und nun endlich im neunten Band darf Siri seinen Lebensabend genießen. So jedenfalls der Plan.

 

Aber Siris alter Busenfeind, Richter Haeng, stellt Siri und seiner Madame Daeng einen Kurzurlaub im Dschungel in Aussicht, der natürlich einen kleinen Haken hat: Siri soll die Gebeine eines vor Jahren verschollenen Mannes identifizieren und eine waschechte Hexe ist auch mit von der Partie. Als dann noch ein dunkler Schatten aus der Vergangenheit in Form eines alternden Franzosen auftaucht, der Madame Daeng sucht, wird es so richtig spannend. Die Gruppe alternder Charaktere um Dr. Siri stürzt sich mit großer Lust wieder einmal in ein Abenteuer. Wie in jedem Band spielt das Übernatürliche (das sich nicht selten als total natürlich herausstellt) eine Rolle, ist Siri doch selber ein Mann, der die Toten sieht, aber nicht mit ihnen sprechen kann. Neben dem ungewöhnlichen Plott in einem Land wie Laos, sind es vor allem die Dialoge des britischen Autors Colin Cotterill, die diese Krimireihe zu etwas Besonderem machen. Mit viel Witz nimmt er die Zustände in dem kommunistischen Land aufs Korn, vermittelt dem Leser nebenbei aber auch sehr viele Fakten über dieses kleine Land. Besonders wenn sich Siri und sein Freund und alter Parteibonze Civilai einen Schlagabtausch liefern. Oder Madame Daeng mit ihrem Mann in den Dialog tritt. Der sprachliche britische Witz ist von Thomas Mohr in der deutschen Übersetzung gut erhalten geblieben. Besonders schön fand ich dieses Mal die "halbherzig jubelnden Winkelemente" - die man von jeder Parade in totalitären Länder kennt.

 

Im neuenten Band führt Cotterill einen zweiten Erzählstrang ein, indem er Madame Daeng ihre Memoiren aufschreiben lässt - sozusagen ein Buch im Buch. Ich fand diese Form gelungen. Dr. Siri ist ohne Zweifel ein "Popcorn-Buch", das sich unterhaltsam liest.

 

Hier alle bisher erschienenen Bände, die man nicht zwingend in der vorgegebenen Reihenfolge lesen muss, es empfiehlt sich aber, um die Entwicklung der skurrilen Charaktere mitverfolgen zu können:

  • Dr. Siri und seine Toten
  • Dr. Siri sieht Gespenster
  • Totentanz für Dr. Siri
  • Briefe an einen Blinden
  • Der Tote im Eisfach
  • Der fröhliche Frauenhasser
  • Grabgesang für Dr. Siri
  • Dr. Siri und der explodierende Drache

 

Auch wenn Dr. Siri pensioniert ist, ein Ende der Reihe ist noch nicht abzusehen. Der nächste Band ist bereits in Planung.

 

Tanja Drecke

 

Aus dem Englischen von Thomas Mohr
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 320 Seiten

ISBN: 978-3-442-54768-5

€ 17,99

Verlag: Manhattan

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