Die Gestirne - Eleanor Catton

Wow, was für ein Buch. Selten hab ich 1.000 Seiten so verschlungen. Die Geschichte spielt in Neuseeland zu Zeiten des Goldrausches 1866 – ein Thema, über das ich bisher noch nichts gelesen hatte. Umso spannender fand ich die Bilder, die Eleanor Catton in ihrem Roman so eindrucksvoll beschreibt. Vor allem auf den ersten 500 Seiten, die Teil 1 des Romans umfassen, hatte ich das Gefühl, dass jeder Satz genauso formuliert war, wie er formuliert sein musste. Das Sprachgefühl der Autorin und der Übersetzerin, Melanie Walz, haben mich komplett in den Bann dieser Abenteuer-Krimi-Liebesgeschichte gezogen. Bedenkt man dann noch, dass die Autorin erst 28 Jahre jung ist und schon den Booker-Preis gewonnen hat, war ich vollends beeindruckt.

Die Geschichte beginnt im Clubzimmer eines schäbigen Hotels in der Hafenstadt Hokitika, Neuseeland, in dem sich der Schotte Walter Moody seinen wohlverdienten Drink nach einer anstrengenden Seefahrt genehmigen will. Er trifft dort auf eine anscheinend willkürliche Ansammlung von zwölf weiteren Männern, die ihren Beschäftigungen nachgehen. Doch Moody merkt, dass hier nicht wirklich gelesen, Billard gespielt oder gedöst wird. Als ihn einer der Zwölf in ein Gespräch verwickelt, wird klar, dass es sich um die geheime Sitzung bedeutender Männer aus Hokitika handelt, die das Schicksal zusammengeführt hat. Jeder dieser zwölf Gentlemen erzählt seine Sicht der Ereignisse, die sich Mitte Januar um einen toten Einsiedler, eine fast tote, opiumvernebelte Hure und einen jungen, verschwundenen Goldgräber entspinnen. So setzt sich Stück für Stück das Gesamtbild für die Leser und Walter Moody zusammen.
Die Ereignisse dieses schicksalhaften Tages haben ihren Ursprung weit in der Vergangenheit. Am Ende des ersten Teils wird Walter Moody die Rolle des Detektivs zuteil und zusammen mit seinen Mitwissern kommt die Wahrheit Stück für Stück ans Licht. Die Autorin lässt einige Geheimnisse im Dunkeln - was die Geschichte noch mysteriöser scheinen lässt.

Eleanor Catton hat nicht nur zwölf Perspektiven in ihren Roman eingebaut, sondern verbindet die zwölf Teile mit den zwölf Tierkreiszeichen und lässt die Kapitel analog zu den Mondphasen immer kürzer werden – daher auch der Titel „Die Gestirne“. Man muss aber kein Kenner, ja nicht einmal ein interessierter Astrologe sein, um sich mit dieser Form anzufreunden.

Dieser Roman ist spannend, sprachgewaltig, mit einem wunderbaren Wortwitz geschrieben und absolut lesenswert. Ich kann der Einschätzung des Guardians nur folgen „Der perfekte literarische Page-Turner“. Seit März nun auch als Taschenbuch erhältlich. Wer in den Sommerferien noch nichts zu lesen hat, dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

Tanja Drecke
 

 

Wieder einmal Dank an den btb-Verlag für das Leseexemplar.

 

Details zum Buch:

Eleanor Catton
Die Gestirne
Aus dem Englischen von Melanie Walz
1.040 Seiten
Taschenbuch
ISBN: 3442715148
EUR 14,00
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