Das geheime Leben des Monsieur Pick – David Foenkinos

 

Wer noch nach einer leichten Sommerlektüre sucht, ist mit diesem Buch bestens bedient. Ein Buch für Büchermenschen mit viel Witz und französischem Charme erzählt. David Foenkinos ist ein gefeierter Autor in Frankreich. Sein Roman „Charlotte“ wurde vielfach ausgezeichnet, und auch dieses Buch war in Frankreich ein Bestseller. Das geheime Leben des Monsieur Pick erzählt von Büchern, solchen, die gefeiert werden, und solchen, die nie erschienen sind, von Lebens- und Liebesgeschichten in Frankreich, genauer gesagt in Paris und in der Bretagne.

Der erste Teil macht uns bekannt mit einer kleinen Stadtbücherei in der bretonischen Gemeinde Crozon und ihrem Hüter Jean-Pierre Gourvec. Dieser setzt seine Idee um und reserviert einen Teil der Bücherei für Manuskripte, die von allen Verlagen abgelehnt wurden, ganz nach dem Vorbild der amerikanischen Brautigan Library, die man hier: www.thebrautiganlibrary.org finden kann. Der erste Teil endet mit dem Tod von Gourvec. Er hinterlässt die Bücherei seiner Assistentin Magalie, die eigentlich nur einen Job brauchte und seine Leidenschaft für Bücher nicht unbedingt teilt.

 
Im zweiten Teil wechseln wir dann nach Paris zu Delphine, die in Paris lebende Bretonin, die als erfolgreiche Lektorin arbeitet, sich einen jungen Schriftsteller angelt, dessen Erfolg ausbleibt, und regelmäßig zu ihren Eltern in die Bretagne fährt. In den weiteren sieben Teilen werden wir Zeuge einer ganz unglaublichen Entdeckung: Delphine findet zusammen mit ihrem Freund ein Manuskript in der Bücherei der abgelehnten Bücher, das sie für einen Bestseller hält. Als Autor ist Henry Pick auf dem Titel vermerkt, damaliger Pizzabäcker und Inhaber der lokalen Pizzeria, die er mit seiner Frau Madeleine betrieben hat. Madame Pick ist meine Lieblingsfigur dieses Romans, die mit viel Witz die Großstadtmenschen, die den großen Wurf wittern, zappeln lässt – ich sag nur Karamelltee.

 
Madeleine ist sich sicher, dass ihr Mann niemals diesen Roman, der sie selber zu Tränen rührt, geschrieben haben kann – hat er doch Zeit seines Lebens nicht einmal eine Karte geschrieben, geschweige denn ein Buch gelesen. Doch so langsam findet sie Gefallen an der Vorstellung daran, dass ihr Mann der Autor von „Die letzten Stunden einer großen Liebe“ sein soll. Und das ist die zweite Geschichte des Buches, nämlich die letzten, die ersten und die Zwischendrin-Stunden der einen großen Liebe im Leben. Ob Josephine, die Tochter von Madeleine und Henry Pick, Rouché, der abgehalfterte Literaturkritiker, Delphine oder Magalie, die sich ganz schön was trau,t – sie alle finden Altes wieder, entdecken Neues und wundern sich über so manche Überraschung in ihrem Leben. Selbst Madeleine Pick findet ihre verloren geglaubte Erinnerung an Henry wieder.

Die Entdeckung des Manuskriptes und der durchschlagende Erfolg des Romans wirbeln das Leben aller Beteiligten ganz schön durcheinander. David Foenkinos schreibt in einem Sommer-leichten Ton (der ein-/zwei Mal ein bisschen zu lapidar wird, wenn von „quatschen“ oder „Chose“ die Rede ist) mit kurzen Sätzen eine im besten Sinne leicht verwirrte französische Geschichte. Ich habe teilweise laut aufgelacht, manches war wunderschön formuliert, und ich habe mich gut unterhalten gefühlt.

 
Der sichere Hafen vs. die aufregende Affäre, die letzten Stunden im Leben und wie ich sie verbringe, der Zauber der ersten Stunden mit einer (großen) Liebe, aber auch die Menschen, die man meint so gut zu kennen und sich doch so täuschen kann. All das verbindet David Foenkinos mit leichter Feder und nimmt nebenbei den Literaturbetrieb aufs Korn, der ganz aus dem Häuschen gerät nach dieser sensationellen Entdeckung.

 

Vielen Dank an den DVA-Verlag für das Leseexemplar.

 
Lesen Sie wohl!

 Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch:

Das geheime Leben des Monsieur Pick

 David Foenkinos

Aus dem Französischen von Christian Kolb
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten
ISBN: 978-3-421-04760-1
€ 19,99
Verlag: DVA Belletristik

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