Palast der Finsternis von Stefan Bachmann

Das war mein erster Bachmann – wow, was für eine temporeiche Story. Jetzt weiß ich, was Rezensenten seiner erfolgreichen Fantasy-Bücher damit meinten, dass Stefan Bachmann den Lesern kaum Zeit lässt zum Luftholen.

Der „Palast der Finsternis“, gerade erschienen im Diogenes Verlag, ist in zwei Zeitebenen geteilt: die eine spielt um 1789 kurz vor und während der französischen Revolution. Hier ist die Ich-Erzählerin Aurélie, Tochter der adeligen Familie Bessancourt, die uns am Anfang durch das Familienschloss rennend mitten in den Wirren eines Überfalls der Revolutionäre begegnet. Die zweite Zeitebene ist in der Gegenwart angesiedelt. Hier lernen wir Anouk kennen, eine 17jährige Teenagerin aus reichem Hause, die gerade den Kühlschrank der Eltern mit Permanentmarker und einer skurrilen Botschaft verunstaltet. Sie ist auf dem Weg zum Flughafen,  um sich mit vier weiteren Jugendlichen zu treffen, die Teilnehmer einer abenteuerlichen Expedition sind: Ein unterirdischer Palast ist in Paris entdeckt worden und soll nun weiter erforscht werden. Eine der reichsten Familien der Welt, die Sapanis, laden zu dieser aufregenden Forscherreise einen kleinen Kreis von Auserwählten ein. Leiter der Expedition ist Professor Dorf, der die Jugendlichen mit einem Privatjet nach Frankreich fliegt und zu dem Landsitz bringt, unter dessen Mauern sich der Palast befinden soll.

Doch schon am ersten Abend wird Jules, Will, Hayden, Lilly und Anouk klar, dass nichts so sein wird, wie sie es sich vorgestellt haben. Sie müssen sich unfreiwillig in das Labyrinth des dunklen Palastes flüchten, begleitet von der Warnung des Professors, dass dort unten dunkle Kräfte am Werk sind. Ihr Weg führt sie durch Räume voller Kuriositäten aus der damaligen und heutigen Zeit, vollständig verspiegelte Zimmer, Gemäldegalerien und Bibliotheken. Aber es bleibt ihnen nicht viel Zeit und Muße, um die prachtvollen Räume zu bewundern, die zum Teil tückische Fallen bereithalten, denn ihnen sind nicht nur gruselige Verfolger auf der Spur, sondern auch ein dunkles Wesen, das den unterirdischen Palast sein Zuhause nennt: Der Schmetterlingsmann.

Parallel findet sich auch Aurélie Du Bessancourt im 18. Jahrhundert in den finsteren Räumen wieder, die sie vor den Brutalitäten der französischen Revolution retten sollen. Aber auch Aurélie stellt schnell fest, dass die Rettungsinsel eher einem Kerker gleicht, den sie lieber heute als morgen verlassen möchte.

Auf der zweiten Ebene geht es um die Soziologie der Gruppe der fünf Jugendlichen. Sie alle sind verzogene Gören, die ihre Eltern größtenteils anstrengend bis grauenvoll finden. In der Stresssituation müssen sie sich entscheiden: zusammenhalten oder alles im Alleingang machen. Anouk ist hier die verlorenste Figur von allen. Im Laufe des Abenteuers erfährt man immer mehr über das bisherige Leben der fünf jungen Leute. Gemeinsam in dieser gefährlichen Situation gefangen, erzählen sie sich ihre persönlichen Geschichten. Selbst von der mürrischen Anouk erfährt man die Gründe ihrer Verschlossenheit. 

Mehr über den Inhalt des Buches zu verraten, würde zu viel Vorweg nehmen.

Stefan Bachmann, 1993 in Boulder/Colorado geboren, lebt heute in Zürich. Mit 19 veröffentlichte er seinen ersten Roman. Sein von der Liebe zu Steampunk geprägtes Debüt Die Seltsamen war in den USA und Deutschland ein großer Erfolg.

Hier hat der Autor eher einen Horror-Roman vorgelegt, der ein bisschen Frankenstein, Dracula und Zombies miteinander kombiniert. Fraglos gut gemacht, mit kurzen einfachen Sätzen und einer Spannung, die zum Teil unerträglich ist. Dieses Tempo macht das Buch zu einem Pageturner, den man schlecht wieder weglegen kann. Ein Lesespaß für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen.
Freuen Sie sich auf eine rasante Fahrt durch das unterirdische Gruselkabinett!

Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das Leseexemplar.

Lesen Sie wohl!

Ihre Tanja Drecke

Wer noch mehr über den Palast der Finsternis erfahren möchte, findet ein Interview mit Stefan Bachmann, einen Psychotest „Überlebst du den Palast der Finsternis?“, eine extra lange Leseprobe und sogar eine Song zum Buch von Stefan Bachmann auf den umfangreichen Themenseite des Diogenes-Verlages.

Details zum Buch:
Stefan Bachmann
Palast der Finsternis
Paperback,
400 Seiten
erschienen am 23. August 2017
ISBN: 978-3-257-30055-0
€  18,00
Verlag: Diogenes

Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Online-Shop.