Vintage von Grégoire Hervier

Die Vorankündigung von Vintage hat mich schon beim Klappentext gepackt. Ich war gespannt, ob das Versprechen eines „Superkrimis“, wie ihn Philippe Blanchet vom Rolling Stone genannt hat, gehalten werden kann.

Im „Intro“ lernen wir den Ich-Erzähler, „Thomas Dupré, fünfundzwanzig Jahre alt, Gitarrist…“ (S. 11) und Journalist einer unbekannten Musikzeitschrift kennen. Er hilft bei „Prestige Guitars“ aus, einem Pariser Fachgeschäft für Gitarren. Ein Kunde aus Schottland möchte eine seltene Gitarre aus dem Laden geliefert bekommen und da der Besitzer des Laden, Alain, keine Lust dazu hat, schickt er Thomas auf die Reise.

Und so beginnt die „Erste Strophe“ einer Verfolgungsjagd. Thomas fliegt nach Schottland, wird dort von einem Bediensteten des Käufers mit einem Rolls-Royce aus den sechziger Jahren abgeholt, um ihn zum Boleskine House zu fahren, dem Landhaus von Jimmy Page von Led Zepplin. Wie durch das ganze Buch hindurch, verwebt Grégoire Hervier auch hier Fakten mit seiner fiktiven Geschichte. Denn das Haus gibt es wirklich, und es gehörte auch tatsächlich Jimmy Page. Lord Charles Winsley, geheimnisvoller Käufer der Gitarre aus Paris und an den Rollstuhl gefesselt, ist vorerst enttäuscht, dass der unter Gitarren-Sammlern bekannte Alain nicht selbst gekommen ist, arrangiert sich aber schnell mit der Situation. Thomas darf seine Sammlung höchst seltener Gitarren bewundern, sogar ein seltenes Exemplar spielen und wird in das eigentliche Geheimnis des Lords eingeweiht: Ihm wurde eine Art Heiliger Gral unter den Vintage-Gitarren gestohlen, die sogenannte „Gibson Moderne“. Diese Gitarre ist tatsächlich ein Mythos in der Gitarrenwelt, von der man nicht weiß, ob es sie gegeben hat oder nicht. Lord Winsley schickt Thomas in Welt, um die Gibson Moderne wieder zu beschaffen. Der von Lord Winsley verdächtigte Gitarrenbauer wird schon bald tot aufgefunden, was Thomas ein wenig stutzig werden lässt. Aber er recherchiert weiter und findet sich schon bald in Sydney wieder, wo er auf einen japanischen Sammler trifft. Doch die Spur erweist sich als Sackgasse und so beginnt der "Refrain".

In Memphis, Tennessee verschlägt es Thomas als nächstes, wo er auf den Elvis-Imitator und ungehobelten Sänger einer Punkt-Band Bruce trifft. Dieser scheint tatsächlich eine Moderne in seinem Besitz zu haben und Thomas muss die Grenze der Legalität überschreiten, um mehr zu erfahren. Er findet eine weitere Leiche auf seinem Weg zu der legendären Gitarre, bevor er in der "Zweiten Strophe" in Oxford, Mississippi, eine neue Mitstreiterin in Lorraine Williams findet. Diese hat in einer Arbeit den Musiker Le Grand Zombi erwähnt und Thomas vermutete, dass dieser auf einer Moderne gespielt hat. Diesen Musiker hat es nicht gegeben, wohl aber eine Menge anderer Musiker, die in Herviers Roman eine Rolle spielen.

In diesem Krimi entpuppen sich viele Wege als Irrungen und viele Menschen sind nicht die, die sie vorgeben zu sein. Man muss kein Gitarrenspieler sein, um den Sound des Buches zu verstehen und ihm zu erliegen. Ich habe meine alten Blues und Blue Grass CDs rausgeholt und dem Soundtrack gelauscht, den der Diogenes Verlag dafür extra zusammengestellt hat (siehe unten). Diese alte Blues-Musik von Robert Johnson unter anderen Musikern hat etwas so ursprüngliches, rohes, das man sich als Leser schon vorstellen kann, dass die entsprechenden Gitarren einen eigenen Sound hatten. Robert Johnson spielt eine Rolle im Roman und einige mögen ihn durch seinen Song „Sweet home Chicago“ kennen, der von den Blues Brothers im ersten Teil des Films performt wird.

Ich habe das Buch mit Spaß gelesen, wenn es auch ein, zwei Stellen gab, die für mich nicht ganz glaubwürdig waren. Zum Beispiel als Thomas eine übel zugerichtete Leiche findet und sich nicht abwendet, übergibt oder flieht, sondern sich einen Ordner im Safe anschaut, diesen auch noch entwendet und sich vom Tatort entfernt, ohne die Polizei zu rufen. Aber irgendwie verzeiht man dies dem mit vielen Fakten versehenen Roman und hangelt sich von Kapitel zu Kapitel, um herauszufinden, wie es weitergeht.

Von Grégoire Hervier werden wir sicherlich noch mehr hören. Der 1977 in Villeneuve-Saint-Georges geborene Autor hat eine Schwäche für Rockmusik, Science-Fiction-Filme und Karate. „Vintage“ ist sein dritter Roman. Wer noch mehr über Vintage wissen möchte, findet noch viele Informationen auf der Microsite des Verlages, inklusive Mixtape und diversen Videos.


Da mir das Mixtape sehr gut gefallen hat, haben wir es für Euch schon mal bei uns eingebunden. Einfach auf das Bild klicken und den Sound des Buches erleben. Viel Spaß beim Hören!

Lesen Sie wohl!

Ihre Tanja Drecke


Vielen Dank an den Diogenes-Verlag für das Leseexemplar!

 

Details zum Buch:

Vintage

Grégoire Hervier
Aus dem Französischen von Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs

400 Seiten

ISBN 978-3-257-07002-6

Verlag: Diogenes
€ 24,00
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Online-Shop.