Der Junge auf dem Berg von John Boyne

Der irische Schriftsteller, John Boyne, hat vor über 10 Jahren mit seinem Jugendbuch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ einen Welterfolg gelandet, der 2008 erfolgreich verfilmt wurde. Sein neuer Roman „Der Junge auf dem Berg“, gerade erschienen im S. Fischer Verlag, wird als inoffizieller Nachfolger gehandelt. John Boyne beschäftigt sich erneut mit der Nazizeit.

Der erste Teil des Romans ist reine Fiktion. Hier lernen wir den Protagonisten Pierrot kennen, der zusammen mit seinen Eltern und seinem Hund D’Artagnan 1936 in Paris lebt. Seine Mutter ist Französin, sein Vater hingegen deutscher Kriegsveteran des 1. Weltkrieges. Im Mietshaus lebt auch Pierrots bester Freund mit seiner Mutter: Anshel, ein jüdischer Junge, der taub ist und sich mit Pierrot in Gebärdensprache unterhält. Als Symbol für seinen treuen, besten Freund wählt Anshel den Hund, umgekehrt ist der Fuchs das Zeichen für den schlauen Anshel. Die Tragödie nimmt ihren Lauf als Pierrots Vater die Familie verlässt, um Selbstmord zu begehen, unfähig mit seinen Erlebnissen aus dem Krieg leben zu können. Kurze Zeit später stirbt auch Pierrots Mutter und Pierrot landet in einem Waisenhaus. Die Lage der jüdischen Bewohner in Paris lässt ein Bleiben bei seinem besten Freund nicht zu.

Am Beginn des zweiten Teils nimmt Pierrots Tanta Beatrix den Jungen zu sich nach Deutschland, und zwar auf den Obersalzberg, die Sommerresidenz des Führers. Hier bindet John Boyne seine Geschichte in gut recherchierte Fakten ein, wie zum Beispiel die Geburtsfeier von Eva Braun oder die Besuche der Göbbels-Familie im Berghof. Der Junge verwandelt sich im Laufe des Buches durch den Einfluss Hitlers vom unschuldigen Pierrot zu Peter, einem Anhänger der Nazis, der Untergebene mit Verachtung behandelt und auch vor Verrat nicht zurückschreckt. Seine intensive Brieffreundschaft zu Anshel nimmt in dem Maße ab, in dem er sich in einen Nazi verwandelt.  Erst nach dem Ende des 2. Weltkriegs wird ihm fassungslos bewusst, wie er verführt wurde.

John Boyne schreibt über die Vergangenheit und hat doch ein hoch aktuelles Jugendbuch vorgelegt. Erschreckend zeigt sich in 2017 wie leicht sich diese Geschichte von Pierrot/Peter heute wiederholen könnte. In einem Vorwort schreibt der Autor selber „Vor elf Jahren ließ ich meinen berühmtesten Roman mit den Zeilen enden ‚Natürlich geschah dies alles vor langer Zeit, und etwas Ähnliches könnte nie wieder passieren. Nicht in diesen Tagen. Nicht in diesem Zeitalter‘. Damit meinte ich Hass, Vorurteile und Diskriminierung. Wie sehr ich mich geirrt habe!“

John Boyne erzählt in einer einfachen Sprache für junge Menschen eine lehrhafte Geschichte über die Verführung durch Macht und das Gute und Böse in jedem Menschen. Auch jedem Erwachsenen kann ich diese Lektüre ans Herz lesen. Empfohlen ist das Buch ab 12 Jahren. Dieser Empfehlung kann ich folgen, allerdings halte ich ein Mitlesen der Eltern für sinnvoll, um über die Geschichte zu sprechen und noch mehr Hintergrundwissen liefern zu können.

Vielen Dank an den S. Fischer Verlag für das Leseexemplar.

Lesen Sie wohl!
Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch
Der Junge auf dem Berg

John Boyne
304 Seiten, geb. mit Schutzumschlag

aus dem Englischen von Ilse Layer
Ab 12 Jahren
Verlag: FISCHER KJB

ISBN 978-3-7373-4062-5

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