Die fremde Königin – Rebecca Gablé

Es beeindruckt mich immer wieder, wie Rebecca Gablé es schafft, über 700 Seiten die Spannung zu halten. Durch „Die fremde Königin“ bin ich hindurchgepflügt und war erstaunt, als ich schon am Ende war. Manchmal ist die Spannung so unerträglich, dass ich kleinere Passagen von Beschreibungen nur überfliege, um endlich zu wissen, wie es weitergeht. Wenn die Autorin mir dann eine kurze Verschnaufpause gönnt, lese ich die Passage noch einmal mit mehr Ruhe. Das schafft so mancher Krimi nicht.

„Die fremde Königin“ ist der zweite Band über König Otto I. und spielt von 951 bis 961. Schon den ersten Teil „Das Haupt der Welt“ habe ich mit Hingabe gelesen, während ich den letzten Waringham nach etwas 100 Seiten weggelegt habe. Die historischen Romane aus England rund um die Waringhams waren mein Einstieg in die Welt von Rebecca Gablé, aber König Otto hat mich in letzter Zeit deutlich mehr überzeugt.

Nachdem seine erste Frau verstorben ist, wählt König Otto in diesem Band die schöne italienische Königin Adelheid zu seiner neuen Frau. Allerdings sitzt diese erst einmal nach der Vergiftung ihres Ehemannes mit Tochter, Hofdame und Geistlichem in einem Turm des Adeligen Berengar fest, der nach der italienischen Krone trachtet. Otto schickt einen seiner Panzerreiter aus, um Adelheid zu befreien: Gaidemar, ein Bastard von König Ottos Bruder Thankmar. Der Auftrag wird erfolgreich ausgeführt und Otto zieht nach Italien, um Adelheid seine Pläne einer Hochzeit zu unterbreiten.

Einige alte Bekannte, die das erste Buch „Das Haupt der Welt“ überlebt haben, trifft man als Leserin und Leser hier wieder. Der neue Protagonist ist Gaidemar, der mit seinem Schicksal als Bastard immer wieder hadert, vor allem weil Prinz Thankmar als Verräter des Königs gilt. Wer seine Mutter ist, hat Gaidamar nie herausfinden können, und auch das macht ihm zu schaffen. Sehnlichst wünscht er sich die Anerkennung König Ottos und ist froh, als zumindest Prinz Liudolf ihn wie ein Familienmitglied in seinen Haushalt aufnimmt. Eigentlich soll Gaidemar auf den heißblütigen Prinzen und seine nicht minder streitbare Frau Ida von Schwaben im Namen Wilhelms, König Ottos unehelichen Sohn, aufpassen. Der Kirchenmann hält große Stücke auf den Panzerreiter und vertraut ihm diese Aufgabe in weiser Voraussicht an. Denn schon bald stellt sich heraus das Liudolf es nicht länger ertragen kann, dass Henning, König Ottos Bruder und Herzog von Bayern, immer wieder bevorzugt behandelt wird, obwohl der König um die Boshaftigkeit seines Bruders weiß. Dieser hatte im ersten Teil den Versuch unternommen, Otto zu stürzen, um selbst auf den Thron zu kommen. Außerdem fällt Gaidemar in Ottos Ungnade, da Henning ihn einer Tat bezichtigt, die er selbst begangen hat. Wilhelm  hält es daher für besser, auch Gaidemar eine Weile aus dem Umfeld des Königs zu entfernen.

Liudulf und Ida scharen viele mächtige Männer um sich, die der Hass auf des Königs Bruder vereint. Gemeinsam stellen sie sich König Otto in einer entscheidenden Schlacht. Als diese Gefahr vorüber ist, droht schon die nächste: Die ungeliebten Ungarn sind in das Land eingefallen, ermutigt durch die Fehde zwischen Vater und Sohn. Gegen eine schiere Übermacht muss Otto sein Königreich verteidigen. Gleichzeitig erheben sich auch wieder im Osten die unterdrückten Völker und auch in Italien gibt es keine Ruhe. Adelheid ist Otto in dieser schweren Zeit nicht nur eine gute Frau, sondern auch eine umsichtige Beraterin, die schnell am Hofe für ein eigenes Netzwerk sorgt, das sie mit überlebenswichtigen Informationen versorgt.

Popcorn-Literatur vom Allerfeinsten bei der es um Liebe, Macht und Abenteuer geht. Und bei der man obendrein auch noch einiges lernen darf. Was will man mehr. Rebecca Gablé beschreibt selber im Nachwort, dass sie durch die historisch belegte Flucht von Adelheid auf den Stoff des Romans gekommen ist, beeindruckt davon, dass die italienische Königin sich den Weg aus der Gefangenschaft mit ihren Fingern selber gegraben hat. Überhaupt ist das Nachwort wieder sehr erhellend, wie man geschickt Fiktion und eine Fülle an historischen Fakten miteinander verweben kann. Und dass Rebecca Gablé diese Technik wie keine Zweite beherrscht, stellt sie immer wieder unter Beweis. Ein tolles Leseerlebnis.

Lesen Sie wohl!
Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch:
Die fremde Königin
Rebecca Gablé
Hardcover, 763 Seiten
Altersempfehlung: ab 16 Jahre
ISBN: 978-3-431-03977-1
Verlag: Bastei Lübbe
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