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Flavia de Luce 9: Der Tod sitzt mit im Boot von Alan Bradley

Endlich wieder ein neuer Flavia-Fall! Der letzte endete sehr überraschend. Ich war gespannt, wie es weitergeht. Die Reihe rund um das Chemie-begeisterte Mädchen aus dem kleinen Örtchen Bishop's Lacey haben wir ja schon einmal vorgestellt.

 

Im 9. Band der Reihe erholt sich Flavia mit ihren beiden Schwestern und dem Faktotum ihres Vaters Dogger auf einer Themse-Fahrt von den Ereignissen des letzten Bandes. Wir befinden uns in England im Jahr 1952, und Flavia ist inzwischen 12 Jahre alt. Wie bei Flavia nicht anders zu erwarten, entpuppt sich die idyllische Fahrt schnell als Abenteuer. Während Daphne wie immer mit einem Buch beschäftigt ist, Feely mit ihrem Spiegelbild und Flavia mit den Giften, mit denen sie aus dem Leben scheiden könnte, stoßen die vier auf Höhe des Örtchens Volesthorpe unvermittelt auf eine Wasserleiche. Flavia angelt die Leiche quasi mit dem Finger und bleibt dabei natürlich völlig cool, sieht sie doch mit Spannung der Untersuchung des Leichnams entgegen, während ihre Schwester „Daffy über der Bootswand hing und sich übergab. Sie spuckte alles aus, was sie seit dem vorletzten Donnerstag zu sich genommen hatte.“ Während es uns beim Anblick einer solchen Leiche vermutlich genauso gehen würde wie Daffy, ist Flavia wie immer fasziniert, schließlich denkt sie bei Friedhöfen an die Mischung der Gase, die die Toten verströmen und die Blumen so schön üppig wachsen lassen.

 

Der tote Mann trägt ein merkwürdiges Kostüm aus blauer Seide und ein einzelnes rotes Ballettschläppchen. Flavias Interesse ist geweckt, denn ihr fallen sofort einige Ungereimtheiten ins Auge: da ist zum Beispiel der Mandelgeruch an den Augen, ein seltsamer Gestank an den Fingern und ein Zettel mit einer Zahlenkombination, den sie aus der Hosentasche der Leiche fischt. Während die örtliche Polizei von einem Selbstmord ausgeht, ermittelt Flavia auf eigene Faust in Richtung Mord. Sie stößt bei ihren Nachforschungen auf eine Verbindung zu einem mysteriösen Todesfall, der vor einiger Zeit drei Tratschtanten das Leben gekostet hat. Die drei werden in der Kirche gemeuchelt und der dortige Geistliche zum Tode verurteilt und gehängt.

 

Alan Bradley lässt in diesem Band Dogger stärker in den Vordergrund treten. Der sonst wortkarge und verschlossene Mann, der immer mal wieder von den Schatten seiner Kriegsvergangenheit heimgesucht wird, ermittelt gemeinsam mit Flavia an dem neuen Fall. Auch ihre Schwestern sind so kooperativ wie nie. Daphne hilft sogar bei der Aufklärung des Falles. Die Verwandlung von Dogger ist meiner Meinung nach an einigen Stellen nicht gut gelungen: Als Flavia und er im Hotelzimmer chemische Experimente vornehmen (Seite 80ff), entwickelt sich Dogger zu einer wahren Quasselstrippe, die Sätze sagt, wie „Passt, wackelt und hat Luft.“ Auch übernimmt Dogger in dieser Situation die Führung und Flavia steht staunend daneben. Das passt nicht zu den bisherigen Charakteren und war für mich unglaubwürdig. Eine behutsamere, der eigenbrödlerischen Art des Dieners entsprechenden Mithilfe bei der Aufklärung hätte ich für gelungener gehalten.

 


Nach dieser für mich misslungen Szene geht es glücklicherweise nach alter Flavia-Manier weiter und der Fall nimmt richtig Fahrt auf. Das Ende ist sehr spannend und hat mich mit dem Buch wieder versöhnt. Ich bin sehr gespannt, wie Alan Bradley die weitere Zusammenarbeit zwischen Flavia und Dogger (und vielleicht sogar mit den Schwestern) gestalten will und hoffe sehr, dass es der Serie nicht den Reiz nimmt.

 

Vielen herzlichen Dank an den Penhaligon Verlag für das Leseexemplar!

 

 

 

Eine lesereiche Zeit!

 

Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch:

 

Aus dem Amerikanischen von Gerald Jung, Katharina Orgaß

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

 

ISBN: 978-3-7645-3114-0

€ 20,00

 

Verlag: Penhaligon

 

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