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Die Todesfee der Grindlay Street von Oscar de Muriel

Zwischendurch ist mal wieder ein Krimi fällig. Wie gut, dass der dritte Fall für den Londoner Dandy Ian Frey und den raubeinigen Schotten McGray gerade erschienen ist und uns der Goldmann-Verlag netterweise ein Belegexemplar geschickt hat. Ich hatte Euch den zweiten Teil „Der Fluch von Pendle Hill“ 2018 vorgestellt und war gespannt auf die Fortsetzung der Reihe.

Oscar de Muriel entführt uns dieses Mal in die Welt des Theaters im Jahre 1889. "Macbeth" steht auf dem Programm. Wir begegnen Henry Irving, Ellen Terry und Bram Stoker, die der Autor als schillernde Persönlichkeiten der damaligen Zeit auftreten lässt. Das Leben dieser drei bietet reichlich Stoff ganz ohne Fiktion und Oscar de Muriel baut die historischen Fakten geschickt in seinen Fall ein.

In Edinburgh soll Macbeth im Royal Lyceum Theatre aufgeführt werden. Die Starbesetzung hat schon große Erfolge in London gefeiert und soll nun auch  Schottland begeistern. In den Hauptrollen sind Ellen Terry und Henry Irving zu sehen, gefeierte Starts der Theaterwelt, die später geadelt werden. Henry Irving war der erste Schauspieler, der sich Sir nennen durfte. Bram Stoker leitete 27 Jahre die Kompagnie von Irving, wie wir durch die historischen Anmerkungen am Ende des Buches lernen. Sein Verhältnis zu Irving war nie ganz klar. Seine Verehrung für den Schauspieler ging jedoch soweit, dass er seinen Sohn nach ihm benannte.

Der Kartenverkauf läuft eher schleppend, weil das aufwändige Stück des Öfteren verschoben werden muss. Da trifft es sich gut, dass eine mysteriöse Erscheinung in Edinburgh auftaucht, die schon in London ihr Unwesen trieb: eine Todesfee. Sie schreibt mit Blut Gedichtzeilen auf öffentlichen Plätzen und kündigt einen Todesfall bei der Vorstellung in Edinburgh an. McGray mit seiner Ader für das mystische ist Feuer und Flamme und findet in Bram Stoker einen Bruder im Geiste. Der wendet sich begeistert an den Chef der "Kommission zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbarem und Geisterhaftem". Frey ist davon überzeugt, dass es sich um einen Werbetrick handelt, um den Kartenverkauf anzukurbeln. In gewohnter Manier liefern die beiden sich ihre Wortgefechte und tauschen Beleidigungen aus.

Mein Fazit: Unterhaltsame Lektüre für alle, die gern historische Krimis lesen. Der Fall ist lange Zeit nicht durchschaubar und überrascht mit seinen zahlreichen Wendungen, was mir bei klassischen „Wer war der Täter“-Plots wichtig ist. Gerade wenn man viele Krimis liest, ist es gar nicht so einfach, Autoren zu finden, die einen vor Rätsel stellen, ohne dass am Ende noch eine ganz andere Person auftaucht, auf die man nie hätte kommen können. Ich werde definitiv den nächsten Teil lesen.

Was ich an Oscar de Muriel schätze, ist seine Verflechtung von historischen Fakten und Fiktion. Die Informationen über die Persönlichkeiten aber auch die Technik, die bei Theaterstücken damals zum Einsatz kamen, waren mir neu. Ich habe hinterher erst einmal selber über Bram Stoker, Henry Irving und Ellen Terry gelesen. Das berühmte Gemälde von Ellen Terry (Maler: John Singer Sargent), das in der Tate Gallery hängt, zeigt sie in ihrem Kleid, das mit Käferflügeln bestückt wurde, damit es ordentlich schillert. Eine grausame wie faszinierende Idee und im Internet auf verschiedenen Fotos / Gemälden zu bestaunen.

Zum Autor (Quelle: Goldmann): Oscar de Muriel wurde in Mexico City geboren und zog nach England, um seinen Doktor zu machen. Er ist Chemiker, Übersetzer und Violinist und lebt heute in Cheshire. Mit seiner viktorianischen Krimireihe um das brillante Ermittlerduo Frey und McGray feiert er in seiner neuen Heimat große Erfolge.

Details zum Buch:
Aus dem Englischen von Peter Beyer

Taschenbuch, Broschur, 576 Seiten, 1 s/w Abbildung (Stadtplan von Edinburgh)
ISBN: 978-3-442-48864-3

€ 10,00

Verlag: Goldmann
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Shop.