· 

Rezension: Aus der Tastatur gefallen – Terry Pratchett

 

Der Goldmann Verlag hat im Herbst 2018 die wunderbare Sammlung „Aus der Tastatur gefallen“ herausgegeben, die „Gedanken über das Leben, den Tod und schwarze Hüte“ des leider schon mit 66 verstorbenen Terry Pratchett zusammenfasst. Vielen Dank an dieser Stelle für das Leseexemplar. Es handelt sich um Zeitungsartikel, Reden und Essays des Scheibenweltschöpfers von 1963 bis 2011, die so unterhaltsam sind wie seine Romane. „Aus der Tastatur gefallen“ - das sind die Themen, mit denen sich Sir Terry Zeit seines Autorenlebens beschäftigt hat, wie er zu seinem schwarzen Hut kam und wie er vom Pressesprecher eines Atomkraftwerkes zum Erfinder der Scheibenwelt wurde.

Im ersten Teil „Der Störer mit dem Stift“ mit Texten über sein Leben als Autor gibt es einige Redundanzen, die aber nicht wirklich stören. Der Bericht über die Signierreise durch Australien aus dem Jahre 1998 ist meine Lieblingsgeschichte. 13 Tage dürfen wir den Autor auf seiner Reise begleiten. Neben zahlreichen Bananen-Daiquiris, Wow-wow-Saucen und verkleideten Fans, hat er mit Hotels, langen Signier-Schlangen und „Manuskript-Abladern“ zu kämpfen. „Jemand gratuliert mir zu meinem stoischen Humor. Bringe es nicht übers Herz, ihm zu gestehen, dass ich nur deshalb keine Miene verziehe, weil Teile meines Körpers glauben, es wäre erst fünf Uhr in der Frühe.“, kämpft Terry Pratchett an Tag 3 mit dem Jetlag.

In „Tage des Zorns“ finden wir die Meinung des Autors wieder zu vielen Themen, wie dem Sterben der Orang-Utans oder dem Schulwesen. Vor allem aber beinhaltet es seine Gedanken zum (selbstbestimmten) Sterben. Seine Texte über seine Erkrankung an einer seltenen Form der Alzheimer-Krankheit eröffnen einen andern Blickwinkel auf das Thema und den kruden Umgang in unserer Gesellschaft mit diesen Patienten. Sein offener Umgang damit ist absolut bewundernswert und sicherlich ein Trost für alle Betroffenen. Trotz des ernsten Themas sind auch diese Texte humorvoll. „Ich mache mich nach und nach davon… und mir bleibt nichts anderes übrig, als dabei zuzusehen“, ist der Titel eines  Artikels in der Daily Mail von 2008 – besser kann man es nicht ausdrücken, was Betroffene und Angehörige fühlen, wenn sie mit dieser Krankheit konfrontiert sind.

Für eingefleischte Terry Prachett-Fans ist die Anthologie ein klares Must-have. Aber auch für alle, die gern kluge Gedanken zu interessanten Themen lesen, ist das Buch eine kurzweilige und anregende Lektüre. Wie bei seinen Romanen kommt man um lautstarkes Lachen und zustimmendes Kopfnicken nicht herum. Angehende Schriftsteller*innen sollten die Lektüre übrigens unbedingt lesen, gibt sie doch sehr viele wertvolle Tipps zum Thema „Schreiben“ und wirft einen Blick auf das „wahre“ Leben eines erfolgreichen Autors.

Er ist gestorben, wie er es sich gewünscht hat – im Kreise seiner Lieben. Ob er wohl nach seinem Tod gern in der Scheibenwelt gelandet wäre? Falls ja, hoffe ich, dass dieser Wunsch in Erfüllung gegangen ist.

Bis zum nächsten Buch

 

Ihre Tanja Drecke

 


Details zum Buch:

Aus dem Englischen von Gerald Jung, Regina Rawlinson

Paperback , Klappenbroschur, 400 Seiten

ISBN: 978-3-442-48729-5

€ 14,00
Verlag: Goldmann
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Shop.