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Rezension: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt von Andrea Wulf

Hallo liebe Lesenden,

heute habe ich wieder ein ganz besonders Buch für Euch. An dieser Stelle schon einmal gleich ein dickes Dankeschön an den Verlag C. Bertelsmann für das Leseexemplar. Auch diese Buch-Schönheit hat einen besonderen Platz in meinem Regal gefunden. Wer unsere Rezensionen regelmäßig liest, weiß schon, dass ich ein Faible für graphisch hochwertige Bücherschätze habe. Und diese „Entdeckungsreise“ mit den Zeichnungen von Lillian Melcher und Originalzeichnungen von Humboldt ist definitiv ein solches Schmuckstück. Andrea Wulf hat vor drei Jahren eine weltweit gefeierte und prämierte Biographie des großen Entdeckers Humboldt geschrieben „Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur“, erschienen im Prestel-Verlag (die ich leider noch nicht gelesen habe). Sie weiß also über diesen außergewöhnlichen Forscher sehr genau Bescheid, so dass man nicht nur gut unterhalten, sondern vor allem auch gut informiert wird beim Lesen und Schauen des Buches.

Der Zugang zu diesem Wissen wird durch die graphische Darstellung nicht nur interessierten Erwachsenen, die sich nicht durch die Biographie arbeiten möchten, sondern auch Kindern leichter zugänglich gemacht. Meine achtjährige Tochter hat sich das Buch sofort geschnappt und durchgeblättert. Die Leser begleiten Humboldt und Aimé Bonpland von 1799 bis 1804 auf ihrem großen Abenteuer in Südamerika.

Andrea Wulf erzählt die Reise chronologisch und aus Sicht von Humboldt. Dies wurde ihr ermöglicht, da die Stiftung preußischen Kulturbesitze 2013 sechs in Leder eingebundene Original Tagebücher der Südamerika-Reise aus Privatbesitz kaufen konnte. Wer Lust hat, kann Teile davon in digitaler Form im Internet finden. Humboldt war ein talentierter Zeichner und so konnte Andrea Wulf auf 4.000 Seiten mit Aufzeichnungen und Skizzen von Menschen, Pflanzen und Tieren zurückgreifen.

Dementsprechend ist auch nichts erfunden, auch wenn die Dialoge in den Sprechblasen natürlich so nicht stattgefunden haben. Sie alle basieren aber auf den Anmerkungen Humboldts in seinen Tagebüchern. Die Grapic Novel nutzt die Originalseiten der Tagebücher oft als Hintergrund. Auf Seite 98/99 erreichen Humboldt und Bonpland den Orinoco. Die Seiten aus Humboldts Tagebuch sind in Form des Flusses arrangiert, auf dem die Forscher mit ihrem Schiff fahren. Der Beinahe-Untergang der Forscher ist genau auf dem Wasserfleck gezeichnet, der auf Humboldts Seite tatsächlich dadurch entstanden ist. Ein ganz neuer Blickwinkel anlässlich seines 250-jährigen Geburtstags am 14. September 2019.


Neben den Sprechblasen arbeitet das Buch mit Blocktexten und Fließtext, der auch gern mal in Form eines Berges daher kommt. Fotos, Gemälde und die Scans der Aufzeichnungen sind weitere Stilmittel, mit denen wir Leser verzaubert werden. Ich finde es immer wieder faszinierend, mit welcher Akribie und Neugierde Humboldt seine Forschungen durchführte und festhielt. Durch die Graphic Novel wird das sehr anschaulich dargestellt.

Schon zu seiner Zeit kritisierte Humboldt die Zerstörung der Natur durch den Menschen und bietet somit einen aktuellen Bezug zu unserer Zeit. Auf dem Chimborazo, der mit seinen 6.000 m für den höchsten Berg der Welt gehalten wurde, wird Humboldt klar, dass alles mit allem zusammenhängt. In der Graphic Novel gib es in der Mitte eine Doppelseite, die die Besteigung des Bergers zeigt „Jetzt ergibt alles einen Sinn.“, lässt Andrea Wulf Humboldt sagen. Er hatte verstanden, dass die Natur ein globaler Organismus ist, der durch massive Eingriffe des Menschen gestört werden kann. Die Pflanzennamen auf der Zeichnung des Berges bilden die Pflanzen ab, die Humboldt entdeckte und einer bestimmten Vegetationszone zuordnete. Er erkannte Pflanzen aus anderen Ländern wieder, die in gleicher Höhe wuchsen und schloss daraus, dass diese Zonen weltweit galten.

Sehr interessant fand ich einen weiteren Aspekt: Bisher habe ich Alexander von Humboldt immer als einen Naturwissenschaftler gesehen, der die Welt vermessen und die Natur katalogisiert und seziert hat. Ein durch Neugier und Abenteuerlust getriebener Mensch, den seine wohlhabende Herkunft all das ermöglicht hat. Aber Alexandra Wulf zeigt auch den romantischen Humboldt mit mit seiner großen Liebe zur Natur wie Goethe oder Thoreau.

Eine Empfehlung für alle Liebhaber graphisch gestalteter Geschichten, Fans von Humboldt und Sachbüchern sowie alle Abenteurer und Entdecker. Ein ganz großes Lesevergnügen, bei dem man gut unterhalten wird und jede Menge lernt.


Aber genug der Worte: Lesen Sie selbst.
Ihre Tanja Drecke

 

Wer schon einmal reinschauen möchte, findet beim Verlag diesen Blick ins Buch.

Details zum Buch:
Übersetzt von Gabriele Werbeck
Hardcover, Halbleinen, 272 Seiten, 21,0 x 27,0 cm
ISBN: 978-3-570-10350-0
€ 28,00

Verlag: C. Bertelsmann
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Shop.