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Jack-Reacher-Storys, Der Einzelgänger von Lee Child

Jack Reacher ist Actionheld, und was für einer. Er reiht sich ein in die 1. Liga der harten Kerle in der Literatur wie Jason Bourne oder Jack Ryan. Lee Child schreibt seit 20 Jahren jedes Jahr mit großem Erfolg einen neuen Roman über seinen Ex-Militärpolizisten, der inzwischen durch die USA tingelt und immer wieder knifflige Fälle lösen muss. Jack Reacher ist 1,90 m, ein Bulle von einem Mann mit vernarbtem Gesicht, der allein durch sein Äußeres einzuschüchtern vermag (umso erstaunlicher, dass man Tom Cruise mit dieser Rolle besetzt hat). Neben seinen Romanen hat Lee Child immer wieder einzelne Geschichten über seinen Protagonisten geschrieben, die bisher nicht auf Deutsch veröffentlicht wurden, sondern nur in verschiedenen Publikationen der USA erschienen sind. Nun fasst also der vorliegende Band diese Geschichten zusammen und hat als „Goodie“ noch eine unveröffentlichte Story mit dem Titel „Zu viel Zeit“ parat, die das Buch eröffnet und die mir persönlich am besten gefallen hat.

In „Zu viel Zeit“ wird Reacher zufällig bei einem seiner Zwischenhalte in einer Kleinstadt in Maine Zeuge, wie einer Frau eine Stofftasche von der Schulter gerissen wird. Der Dieb flüchtet vor zwei Cops in Zivil zu seinem Pech leider direkt in die Arme von Reacher. Dieser will eigentlich gar nicht erst mit auf das Revier kommen, um seine Aussage zu machen, ahnt er doch schon, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Es kommt wie es kommen muss, Reacher sieht sich mit einer Anklage konfrontiert, an dem Coup beteiligt gewesen zu sein. Sein Pflichtanwalt taugt nichts, also bleibt dem Actionheld nichts anderes übrig als sich einmal mehr selbst aus der Patsche zu helfen.

Es gibt Stories, in denen lernen wir den Actionhelden als Jugendlichen oder jungen Mann kennen. Schon da muss er sich auf den diversen Stützpunkten, die er und sein Bruder mit der Familie bewohnen, gegen die anderen Kids behaupten, wie zum Beispiel in „Der zweite Sohn“. Wer hier erwartet, dass der junge Reacher weniger versiert zu Werke geht, als sein erwachsenes Ich wird enttäuscht. Egal in welchem Alter: Jack Reacher hat den Durchblick und die Härte, selbst den Mafioso Croselli in der Story „Hitzewelle“ auszutricksen. Man kann Lee Child vorwerfen, dass das nicht besonders glaubwürdig ist. Aber meiner Meinung nach sind auch viele Szenen des erwachsenen Jack Reachers zumindest mal unwahrscheinlich. Auch James Bond und Jason Bourne sind überzeichnete Charaktere, die alles Überleben, alles Herausfinden und dabei auch noch gut aussehen. Und genau das erwarte ich auch bei dieser Art der Lektüre.

Je weiter das Buch voranschreitet, desto kürzer werden die Geschichten. Kleine Anekdoten, in denen Jack Reacher zum Teil nur als Nebenrolle auftaucht. Die Stories bringen dem Leser die Person Jack Reacher näher. Man erfährt mehr über ihn an verschiedenen Stationen seines Lebens. Für mich waren die Storys daher der optimale Einstieg in diese Romanserie, die ich bisher nicht gelesen habe. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt von fast allen Kurzgeschichten. Wer harte und unbesiegbare Actionhelden mag, findet hier sicher den Meister dieses Genres am Werk. Für alle Jack-Reacher-Fans ein absolutes Muss und Highlight.

Über den Autor schreibt der Verlag: „Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.“ Dieses Jahr wurde von Lee Child angekündigt, dass es keinen weiteren Film mit Tom Cruise geben wird, den die Fangemeinde von Jack Reacher sowieso als unpassend abgelehnt hat. Stattdessen soll es eine Serie mit einem optisch passenderen Schauspieler geben.

Vielen Dank an den Verlag blanvalet für das Leseexemplar!

Dieses Buch enthält folgende Storys:

  • Zu viel Zeit
  • Der zweite Sohn
  • Hitzewelle
  • Tief drinnen
  • Kleinkriege
  • James Penneys neue Identität
  • Das Verhör
  • Dies ist keine Übung
  • Vielleicht haben sie eine Tradition
  • Ein Kerl kommt in eine Bar
  • Kein Raum in der Herberge
  • Der einsame Diner


Details zum Buch
Aus dem Englischen von Wulf Bergner

Hardcover mit Schutzumschlag, 448 Seiten,
ISBN: 978-3-7645-0652-0
€ 20,00
Verlag: blanvalet
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Shop.