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Rezension: Der Bücherdrache von Walter Moers

Hildegunst von Mythenmetz, begnadeter Schriftsteller aus Zamonien, hat einen Traum. Und den Traum im Traum erzählt uns Walter Moers, in dem er wieder einmal tief in die Fantansie-Trickkiste greift. Hildegunst begegnet „seinem“ Buchling Hildegunst 2. Das kleine einäugige Wesen lernt sein Werk auswendig und kennt es besser als er selbst. Hildegunst 2 erzählt dieses Mal eine eigene Geschichte, nämlich die vom legendären Bücherdrachen Nathaviel (Achtung! Anagramm :-)), der in den Katakomben von Buchhaim hausen soll. Hildegunst 2 ist ihm begegnet und lässt uns an seinem Abenteuer tief unten im Ormsumpf teilhaben.

Walter Moers schreibt rund um das Geschichtenerzählen, über die Liebe zum Buch, über das Lesen, warum Menschen schreiben oder auch nicht. Nathaviel weiß genau, warum er nicht schreibt: „Na ja, ich schreibe aus denselben Gründen nicht, aus denen die meisten Leute nicht schreiben. Weil sie keine Lust haben, jahrelang mit ein paar fixen Ideen im Kopf herumzulaufen, die vielleicht irgendwann mal einen Roman ergeben könnten. Ffff… Wer will das schon? Nur Schriftsteller.“

Besonders schön fand ich die Stelle, an der Nathaviel über die neu gefundenen Wörter in seinem Kopf fabuliert. Der Drache zieht sich in den Ormsumpf zurück, um nicht länger als Jungfrauen-fressendes Ungeheuer gesehen zu werden. Dort heften sich zahlreiche Bücher nach und nach an seine Schuppen und übertragen auf magische Weise ihren Inhalt in das Drachenhirn. Das verwundert den Drachen und lässt ihn staunen über so schöne Worten wie „Drangsal“ „Schneegestöber“, „Firlefanz“ oder „proppenvoll“.

Natürlich gehören wieder Verweise auf literarische Größen und verschiedenste Anagramme zum Programm: Nicht umsonst heißen die Buchlinge, die Hildegunst 2 auf die Spur des Bücherdrachen bringen und die Klassiker des zamonischen Altertums auswendig lernen, Arkaneon, Eideprius, Estrakos, Klosophes, Steraphasion. Viel Spaß beim Rätseln!

Das Buch ist für zamonische Verhältnisse eher eine Kurzgeschichte mit gut 160 Seiten – verständlich also, dass die Fangemeinde von Walter Moers sich endlich einmal wieder einen dicken Schinken à la „Die Stadt der träumenden Bücher“ wünscht. Dennoch staunt man beim Lesen  wieder über den Fantasie-Reichtum des Autors, der scheinbar mühelos immer neue Kreaturen und Geschichten aus Zamonien aus der Feder strömen lässt. Das Buch ist wieder von Walter Moers illustriert und somit auch ein Genuss für das Auge. Dieses Mal sind auch Graphic Novel Elemente eingebaut.

Leider nutzt der Autor Hinweise auf Textstellen in anderen Zamonien-Büchern, die nur passionierte Fans im Regal stehen haben dürften. Es sind zwar nicht viele Anmerkungen, aber eine kurze Erklärung – gern auch als Fußnote – hätte hier geholfen.

Wer weiß, vielleicht wird ja das nächste Buch „Die Insel der 1000 Leuchttürme“, die als Leseprobe im Buch zu finden ist, wieder eine längere Geschichte. Hier verschlägt es Hildegunst auf die Nordmeerinsel Eydernorn (also nach Norderney ;-)), um sich von seinen traumatischen Erlebnissen in den Katakomben von Buchhain zu erholen.

„Der Bücherdrache“ ist eine Geschichte in einer Geschichte, die ich neben allen Walter-Moers-Fans, allen Märchen- und Fantasy-Lesern ans Herz legen möchte.

Vielen Dank an den Penguin-Verlag für das Leseexemplar.

Doch genug der Worte: Lesen Sie selbst!
Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch:

Hardcover, Pappband mit Schutzumschlag, 192 Seiten, 17,0 x 24,0 cm

 ISBN: 978-3-328-60064-0

€ 20,00
Verlag: Penguin
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