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Rezension: Schöner Sterben in Paris von Frédéric Lenormand

Krieg macht erfinderisch. Und so verwundert es nicht, dass die im Titel erwähnte Madame Loulou Chandeleur mitnichten eine Madame ist, sondern der Kommissar Raymond Février. Mit Hilfe der befreundeten Prostituierten Léonie setzt der Kommissar bei Erhalt des Einrufungsbescheids seine Idee um, sich unter das Heer der zurückbleibenden Frauen zu mischen. Heraus kommt eine etwas burschikose und resolute Dame, die bei der Detektivagentur Barnett anheuert, in dem sie die dubiosen anderen Kandidaten kurzerhand auf ihre bisherige Verbrecherkarriere anspricht. Auch die Detektivagentur wird inzwischen von der Tochter des Inhabers geleitet, der an der Front gegen die Deutschen kämpft. Cecily Barnett ist begeistert von der neuen Mitarbeiterin, die auch gleich eine lukrative Kundin akquiriert: Baronin Schlésinger wird erpresst. Ihr Sohn Paul ist ebenfalls an der Front gelandet und soll dort ermordet werden. Damit die Baronin dem Erpresser auch glaubt, droht er mit der Ermordung unschuldiger Personen in Paris. Ein Wettlauf gegen die Zeit lässt den Ermittlern kaum Verschnaufspausen Und das alles auf unbequemen Damenschühchen.

Fédéric Lenormand hat einen sehr sarkastischen und zynischen Schreibstil, vor allem wenn es um den 1. Weltkrieg geht: „Sicher, in diesen unsicheren Zeiten konnten die tugendhaften Wehrpflichtigen auf die Idee kommen, ihre Angelegenheiten zu regeln, für den Fall, dass sie bei ihrem morgendlichen Spaziergang auf dem Feld der Ehre einer tödlichen Granate begegnen sollten.“ (S. 119).“ Das ist bitterer Galgenhumor, der durchaus passt, aber in der Häufigkeit ist mir der zynische Stil ein wenig auf die Nerven gegangen. Der Autor setzt zum Teil einige Sachen voraus, wie zum Beispiel, dass man Arsen Lupin kennt, ein Romandetektiv, oder Sacher-Masoch (S. 123), der Schriftsteller, der dem Masochismus den Namen gab. Hier hätte eine kurze Anmerkung geholfen.

Beim Lesen dieses Krimis taucht man in das Paris der 1910er Jahre ein. Lenormand vermittelt einem die Stimmung und die Gewohnheiten der Menschen in der Hauptstad sehr eindrucksvoll. Auch die Unterwelt mit ihren Flüsterkneipen und zwielichtigen Etablissements besuchen wir während der Ermittlungen. Wir lernen viele Männer kennen, die sich vor dem Fronteinsatz gedrückt haben, ohne sich in Frauenkleider zwängen zu müssen. Eine Tatsache, mit der Ray permanent hadert. Besonders gut gelungen fand ich, dass die Erzählung aus Sicht der Frauen geschrieben ist, die sich ohne ihre Männer zuhause durchschlagen mussten. Sie waren vielen Repressalien ausgesetzt und mussten sich zum Teil mit erniedrigenden Jobs wie als Prostituierte über Wasser halten.

„Schöner sterben in Paris“ ist ein solider historischer Krimi, der sich locker wegliest und bei dem es rein um den Fall geht. Die beiden Hauptfiguren Ray und Cecily bleiben oberflächlich, und es gibt keine weiteren Handlungsstränge. Das Buch lässt den Leser in die Zeit eintauchen und man fühlt sich gut unterhalten.

Frédéric Lenormand wurde 1964 in Paris geboren und hat zahlreiche historische Kriminalromanreihen veröffentlicht, bei denen mal Voltaire, mal ein chinesischer Richter die Hauptrolle spielt.

Wir danken dem Dumont-Verlag für das Leseexemplar und vor allem die süße Postkarte „Spack“ aus dem Buch „Wörter, die es nicht auf Hochdeutsch gibt“ (übrigens ein ganz und gar empfehlenswertes Buch noch dazu :-)). Wer erst einmal in das Buch reinlesen möchte, findet eine Leseprobe vom Dumont-Verlag.

Doch genug der Worte, lesen Sie selbst!
Ihre Tanja Drecke

Details zum Buch:
304 Seiten
Übersetzung: Jörn Pinnow
Umschlag mit Relieflack und Hochprägung

€10,00
ISBN 978-3-8321-8378-3

Verlag: Dumont
Gleich bestellen: 04161-9999700 oder im Shop.